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Politikum

Lange Wahlnacht in Amerika – und am Ende stand der Sieger von Anfang an fest

Obama oder McCain? Das war die Frage der letzten Nacht, welche viele Menschen, auch in Europa, wach gehalten hat.
Umfragen kurz vor der Wahl zufolge, lag der demokratische Senator Obama vorne. Doch unentschlossene Wähler, Zweifel ob auch alle Stimmen fair ausgewertet werden und die knappen Entscheidungen vor vier und acht Jahren, ließen das Ganze zu einer Zitterpartie werden. Egal, für welchen Kandidaten man hoffte.

Viele Fernsehsender informierten ab 23.00 Uhr durchgehend über den aktuellen Stand in Übersee.
Auch ich hing vor dem Bildschirm, als um zirka 1 Uhr die ersten Ergebnisse bekannt gegeben wurden. Ab da gab es stündlich, manchmal auch alle halbe Stunde, die neusten Auswertungen aus den einzelnen Staaten.
Die Prognosen bestätigten sich.
Ich bin dann um 4 Uhr Morgens ins Bett gegangen, als der Sieg Obamas sich schon recht deutlich abgezeichnet hat.

Momentan herrscht noch in zwei Staaten (Missouri und North Carolina) Unklarheit, doch selbst wenn McCain diese Beiden noch für sich entscheidet, der neue Präsident steht fest: Barack Obama.
Von 512 Wahlmännerstimmen verbucht er 349 für sich, McCain hat es mit 163 Stimmen nicht geschafft (26 Stimmen stehen noch aus).

Damit hat Amerika seinen ersten farbigen Präsidenten gewählt.

Obama hat im Wahlkampf viel versprochen, ist als Diplomat bekannt, will Konflikte friedlich lösen.
Change und Hope, dass waren die Schlagworte, welche er immer wieder in seinen Reden gebrauchte. Nun ruht die Hoffnung Amerikas und die Hoffnung der ganzen Welt auf diesem charismatischen Mann, der - wie es gestern so schön hieß - weder Schwarzer noch Weißer, sondern Amerikaner ist.
Nun hat er vier Jahre Zeit, um die von im versprochenen Hoffnung zu erfüllen.

Change we need.
Change we can believe in?
5.11.08 12:46


McCain wählt Palin als Vize – und der Rest der Welt hofft auf Obama

Viel wurde über McCains Entscheidung, Sarah Palin (Gouverneurin von Alaska) als Vizepräsidentin vorzuschlagen, diskutiert.
Anfangs sah so aus, als würde ihm diese ‚Geheimwaffe‘ viele Stimmen - vor allem aus der religiös orientierten, konservativen Wählerschicht – einbringen.
Doch dann machte Sarah Palin, an sich ein recht hübscher Anblick, den Mund auf und schockierte die Welt.
Trotz ihrer politischen Stellung hat sie so gut wie keine Ahnung von Wirtschaft- und Außenpolitik und das in einer Zeit, in der die Finanzkrise die Welt erschüttert.
Seitdem ist Palin die Witzfigur der Nation, im Fernsehen stöckeln Doppelgängerinnen von einer Peinlichkeit in die Nächste und sie spielt sogar – natürlich nicht persönlich – die Hauptrolle in einem Pornofilm.
Das hat viele Amerikaner dazu gebracht sich von McCain ab zu wenden. Seine ‚Geheimwaffe‘ hat sich gegen ihn gewendet.

Doch auch die restliche Welt hat die Blamage der vielleicht künftigen Vizepräsidentin Amerikas mit Entsetzen verfolgt.

War Obama zuvor schon der Wunschpräsident der überwiegenden Mehrheit, wird ihn heute Abend Mancher vielleicht sogar in sein Nachtgebet mit einbeziehen.
Warum? Weil er sich erfolgreich als weltmännischen Staatsmann verkauft hat. Quod est demonstrandum – was zu beweisen ist.

Vermutlich hätten weder Palin noch Obama eine Antwort parat, wenn man sie nach der deutschen Wirtschaftslage fragen würde.
Aber bei Obama hat man das Gefühl, er würde sich Informieren, bevor er den Mund aufmacht.
Und er würde, was vielleicht noch wichtiger ist, dem Rest der Welt Respekt entgegen bringen.
Das ist eine Botschaft, die wir gerne glauben.
4.11.08 19:01


4 gegen Ypsilanti – 4 gewinnt!

Jürgen Walter, Carmen Everts, Silke Tesch. Diese drei Abgeordneten haben heute verkündet, sie werden Andrea Ypsilanti nicht zur hessischen Ministerpräsidentin wählen.
Und das, wo besagte Wahl schon morgen stattfindet – stattfinden sollte.
Zusammen mit Dagmar Metzger, welche Ypsilanti ihre Stimme schon im Vorfeld verweigerte, sind damit vier SPD-Abgeordnete gegen die Parteichefin und ihre Pläne einer Rot-Rot-Grünen (SPD-Linke-Grüne) Regierung.

Die SPD zeigte sich heute geschockt über so viel Individualismus in den eigenen Reihen.
Über die Querulanten kam Schimpf und Schande, man legte ihnen den Rücktritt nahe.
Wer nicht brav mit der Partei läuft, kann gehen.

Sicher ist es nicht die feine Art, Ypsilanti einen Tag vor der Wahl das Vertrauen ab zu sprechen.
Aber war das wirklich so unabsehbar?
Oder ist es so, wie manche behauptet, dass es schon lange Gegenstimmen in der Partei gab, diese jedoch gekonnt ignoriert und unterbuttert wurden?
Es hört sich für mich ziemlich unwahrscheinlich an, dass die 3 Abgeordneten ihre Meinung von heute auf morgen geändert haben sollen…

Wenn die SPD im Wahlkampf verlauten lässt, sie würde niemals mit der Linken zusammenarbeiten und genau das tut, kaum dass die Bürger ihre Stimmen abgegeben haben, muss sie sich dann über eine solche Reaktion, auch aus den eigenen Reihen, wundern?
Müssen die Abgeordneten, in Vertretung für ihre Wähler, nicht genau deren Meinung vertreten, die Ablehnung einer Rot-Roten Bündnisses?

Natürlich wird vor der Wahl viel versprochen und dann auch wieder gebrochen, dies ist – leider – Gang und Gäbe.
Natürlich ist es für eine funktionierende Politik, eine funktionierende Demokratie, eine hohe Kompromissbereitschaft unbedingte Voraussetzung. Wenn jeder stur auf seiner Meinung beharren würde, könnten wir wieder die Keulen auspacken und Neandertaler spielen.

Aber irgendwo muss ein Schlussstrich gezogen werden.

Wenn die vier Abgeordneten in Hessen sagen, sie könnten es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren Ypsilanti zu wählen und damit der Zusammenarbeit der SPD mit der Linken zu zustimmen, dann kann ich mich nur hinter sie stellen.
Nicht, weil ich das Gespenst der deutschen Geschichte über dem ganzen schweben sehe, sondern weil ich der Überzeugung bin, dass das Extreme nie der richtige Weg ist. Weder im Kleinen noch im Großen.
3.11.08 22:27


Verjüngung radikal

Kaum ist Seehofer zum neuen, bayrischen Ministerpräsidenten gewählt worden, zeigt er, dass er durchgreifen kann.
Veränderungen müssen her, eine deutliche Distanzierung zur alten Politik, welche unter anderem für die Krise der bay(e)rischen Landesbank verantwortlich gemacht wird.
Auch deswegen sind schon Köpfe gerollt (Huber & Beckstein), doch Seehofer ist das nicht genug, er will frischen Wind für sein Kabinett. Aufwind, möglichst jungen. Darum wurden alle Kabinettmitglieder über 60 entlassen. Es traf 6 der 11 Staatsminister.

Empörung folgte diesem Rundumschlag auf dem Fuße:
Man könne die älteren CSU Wähler (welche ganze 54 % der Wählerschaft ausmachen) doch nicht so vor den Kopf schlagen, auch wenn die 'Junge CSU' diesen Kurs befürwortet.
Es geht doch nicht an, das kompetente, erfahrene Leute aus ihren Ämtern entlassen werden, nur weil sie ein bestimmtes Lebensjahr überschritten haben.

Das in der Arbeitswelt immer mehr die jüngere und - nach allgemeiner Ansicht - leistungsfähigere Generation gefragt ist und ältere Leute es zunehmend schwerer haben, ist wohl allgemein bekannt.

Früher mussten sich die Jungen den Alten unterordnen, man hatte einem Älteren Respekt zu zollen, für seine durchlebten Jahre, sein Wissen. Der Meister stand über dem Schüler. Auch, wenn dieser den Meister an Verstand und Fertigkeiten übertraf.

Heute scheinen wir auf das andere Extrem zuzusteuern.

Minister werden entlassen, schlicht weil sie 'zu alt' sind. Und das in einem Land, dessen Bevölkerung immer älter wird?

Ich halte unser Land für hoch entwickelt. Wir haben eine Demokratie, soziale Marktwirtschaft, sind modern.
Es passt nicht in das Bild, welches ich von diesem Land gerne hätte, dass wir es uns so einfach machen und alles 'alte' als 'schlecht' abtun. Dass wir nicht genauer hinsehen, nicht hinterfragen.
Wie kann es für ein Bundesland gut sein, wenn die Minister nicht nach Kompetenz, sondern nach Alter ausgewählt werden?

Aber die eigentliche Frage, die ich mir gestellt habe, nachdem ich einen Zeitungsartikel bezüglich dieses Themas gelesen habe, war: Wird Horst Seehofer, geboren am 4. Juli 1949, seiner Politik treu bleiben und seinen Ministerposten im nächsten Jahr abgeben?
1.11.08 23:04





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